Dirk Johannsen

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Bedürfnis kommt von ‚Dürfen‘

Sich bedürftig fühlen verbunden mit Scham. Wer kennt es nicht? Wir dürfen die eigenen Bedürfnisse wahrnehmen, sie benennen und sie erfüllt bekommen.

Kindheit

Wenn wir auf die Welt kommen sind Bedürfnisse unser Sein. Wir brauchen Zuwendung, Essen, Trinken, Wärme, Kontakt, Liebe. In dem Alter fühlen wir uns auch frei nach Herzenslust zu brüllen, um diese Bedürfnisse erfüllt zu bekommen. In einer gesunden Umgebung werden uns auch diese Grundlagen des Lebens gegeben. So lernen wir in den ersten ein bis zwei Lebensjahren schon für unsere Bedürfnisse einzustehen, aber auch eine angemessene Zeit auf die Erfüllung warten zu können und eine Frustrationstoleranz zu entwickeln.

Ursprung und Jetzt

Wir sind Rudel-Menschen. Es ist erst ein paar Jahrzehnte her, dass wir in Großfamilien gelebt haben und entwicklungsgeschichtlich erst ein paar tausend Jahre, dass wir uns in der Sippe um das Feuer versammelt haben. Kontakt zu anderen Menschen ist lebenswichtig und dennoch gibt es in unserer Lebensart oft einen Mangel. Viele verkriechen sich in ihre Wohnung und leben separat. Die Anzahl der Singlehaushalte ist immens hoch. Gerade die Bedürfnisse gesehen zu werden, eingeladen zu werden, gemocht zu werden ohne etwas dafür tun zu müssen, begleiten uns täglich. Wir dürfen diesen Mangel spüren, es ist eine Rückbesinnung zu unserem ursprünglichen Sein. Auch wenn wir gemäß unserem Wunsch nach Freiheit und Autonomie Selbstwirksam sein möchte, sind wir doch soziale Wesen und brauchen den Kontakt.

Bedürfnisse benennen

Unsere Mitmenschen sind meistens allerdings weder telepathisch veranlagt noch können sie Gedanken lesen. Daher ist es wichtig zum einen sein Bedürfnis zu benennen zum anderen aber auch direkt jemanden zu fragen, ob er/ sie dieses Bedürfnis erfüllen mag. Die Frage sollte so gestellt sein, dass die Person auch ‚Nein‘ sagen darf oder ‚jetzt nicht, aber in einer halben Stunde‘. Als frisch geborenes Kind war ein ‚Nein‘ existenziell bedrohlich, jetzt als Erwachsener können wir jemanden anderen fragen, wenn unser Gegenüber gerade dazu nicht bereit ist. Das können wir lernen zu unterscheiden.
Oft habe ich erlebt, dass ein Wunsch nur in den Raum gestellt wird ohne jemanden konkret zu bitten. Das hatte meistens den Effekt, dass sich niemand angesprochen fühlte und die/ der Fragende fühlte sich bestätigt, dass keiner sie/ ihn unterstützt, für sie/ ihn da ist.

Bedürftigkeit

Insbesondere die Bedürftigkeit ist oft mit Scham besetzt. Scham ist eigentlich ein sinnvolles Gefühl, um dass Handeln in der Gruppe zu regeln. Die Scham sollte verbunden sein mit dem Tun, also wenn ich etwas mache, was der Gruppe schadet, sorgt die Scham dafür, dass ich mich das nächste Mal anders verhalte.
Einige haben aber in ihrer Kindheit oft erlebt, dass ihr Sein kritisiert wurde, wie ‚du bist blöd‘ statt ‚diese Handlung war blöd‘. So glauben wir oft, wir bedürftig zu sein und spüren dabei eine ungesunde Scham bezüglich unserer eigenen Person, unserem eigenen Sein. Sich bedürftig zu fühlen steht auf einem ganz anderen Blatt. Es ist so ein natürliches Gefühl und es will gehört werden. Daher ist es so wichtig, seine Bedürfnisse auszusprechen.

Fazit

Wir DÜRFEN unsere Wünsche und unsere Bedürfnisse aussprechen und jemanden um die Erfüllung bitten. Wir haben sogar ein Recht auf die Befriedung dieser Bedürfnisse, nur nicht unbedingt von unserem Gegenüber, egal ob Partner oder Freund. Diese Person sollte immer die Freiheit spüren ‚Nein‘ sagen zu können. Oft verändert sich das Gefühl, das Bedürfnis schon alleine beim Aussprechen.
Ich möchte noch einen Gedanken mitgeben: gerade die Unzufriedenheit aufgrund unerfüllter Bedürfnisse ist eine große Antriebskraft uns und unser Leben zu ändern.

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