Dirk Johannsen

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Entwicklungstrauma: Ich genüge nicht

Kennst du das Gefühl, egal wie viel ich mache, es genügt nicht. Dieses Gefühl entwickelt sich meist schon in der frühen Kindheit.

Gesehen werden

Bereits als Kind wollen wir beachtet und gesehen werden. Die Freude der Eltern über unsere Entwicklungsschritte ist ein großer Motivator. Die Begeisterung des Kindes an schwierigen Aufgaben will unterstützt werden.
Außerdem identifizieren sich kleine Kinder mit Gegenständen. Das heißt, wenn sie jemanden etwas geben, geben sie ein Teil von sich. Wird diesem Gegenstand also keine Beachtung geschenkt, empfindet das Kind es als persönliche Missachtung.

Vergleichen

Selbst sehr kleine Kinder bekommen die Stimmungen und Gefühle der Eltern mit. Sie haben sehr feine Antennen dafür. Wenn zwei oder mehr Kinder zusammenkommen, vergleichen die Eltern, was das eine Kind kann und was das andere. Falls sich das Kind eher langsam entwickelt und Sorge und Enttäuschung das dominante Gefühl des Elternteils sind, überträgt es sich aufs Kind. Dies beginnt schon sehr früh zum Beispiel in der PEKiP-Gruppe wo viele Elternteile zusammenkommen.
Immer wieder werden auch andere Kinder, ob Geschwister, Freunde oder Nachbarn, als strahlendes Beispiel genannt bei älteren Kindern insbesondere, wenn es um Schulleistungen geht. Dies untergräbt das Selbstwertgefühl des Kindes.

Stellvertreter

Im erwachsenen Leben hofft man dann, die Anerkennung beim Vorgesetzten oder beim Partner zu bekommen. Nur sucht das Unterbewusstsein meist Menschen, die ein gewohntes Umfeld bieten, so ungesund es auch ist. Einerseits klingt es paradox, andererseits ist es nachvollziehbar, denn so kommt man in ein bekanntes Umfeld. Dort weiß man, was einen erwartet. Somit gibt es eine gewisse Sicherheit, da ich weiß, wie ich mich in der Situation verhalten kann.

Trennung

Man kann die Leistung eines Menschen anerkennen, dafür muss man ihn nicht lieben. Umgekehrt gilt es natürlich auch, ich kann einen Menschen lieben auch wenn ich mit seinem Handeln gerade nicht einverstanden bin. Häufig wird Anerkennung mit Liebe verwechselt. Von höchster Bedeutung ist daher, dass das Kind lernt, dass es nicht wegen seiner Leistung geliebt wird. Liebe und Leistung sind voneinander getrennt. Beim Übermitteln der Botschaft an das Kind muss die Haltung, Mimik, Gestik und Stimmlage mit dem Verhalten übereinstimmen, also authentisch sein.

Abwertungen

Als Kind wird man häufig kritisiert und abgewertet von den Eltern, Erziehern und Lehrern. Aber auch die Kinder untereinander können sehr hart miteinander umgehen. Unbedacht gesprochene Sätze wie:
„Ich bin enttäuscht von dir.“
„ Du hast den Kopf ja nur, damit es nicht in den Hals rein regnet.“
„Immer bist du der letzte.“
können tiefe Eindrücke hinterlassen. Eltern und andere Erwachsene sind nicht perfekt und solche Aussagen haben meistens keine gravierenden Folgen. Wenn diese Sätze allerdings mit der grundsätzlichen Haltung – Du genügst nicht – gesprochen werden, haben sie eine starke negative Wirkung.

Typische Wirkungen

Selbstzweifel und Unsicherheit in sozialen Kontakten sind häufig eine Folge des Glaubenssatzes „Ich genüge nicht.“ Diese wiederum bedingen soziale Ängste, z. B. vor Autoritäten, vor Ämtern, vor Gruppen. Prüfungsängste können auch eine große Rolle spielen und Minderwertigkeitsgefühle sind ein ständiger Begleiter. So entsteht eine regelrechte Sucht nach Lob und Anerkennung und kann zur Abhängigkeit von anderen Personen führen.

Lösung

Wie schon erwähnt, ist eine klare Trennung von mir als Person und meiner Leistung wichtig. Vertrauen, Sicherheit, Glück sind nicht im Außen zu finden, sondern in mir, meinem inneren Kern.
Als Kind waren wir abhängig von unseren Eltern und hatten keine Wahl. Hier und jetzt haben wir die Möglichkeit, den Kontakt zu Menschen zu suchen, die uns guttun, die uns anerkennen. Oft ist allerdings der eigene innere Kritiker am schlimmsten. Er hat meist sehr hohe Ansprüche. Es hilft, immer wieder in die Selbstreflektion zu gehen, dankbar sein für jeden kleinen Schritt der gemacht wurde. Wir können nicht alle Weltmeister werden. Wir können aber sicher sein, dass wir alle Fähigkeiten haben, um unseren Platz im Leben auszufüllen.
Hier noch ein Satz zum Nachdenken: Ich bin perfekt in meiner Unvollkommenheit.

Gerne helfe ich und stehe für Fragen zur Verfügung auf dem Weg zu mehr Zufriedenheit.

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